Presse

Der Bauernmusik wurde die Unschuld geraubt

ge. Norderstedt –

Nein, das ist keine Musik, die „moderato cantabile“ überschrieben sein könnte. Alles in ihr verläuft vielmehr gefühlsgesättigt im Geschwindschritt – heftig, deftig, rastlos. Die ungarische Gruppe Zengő aus Pécs ist beileibe keine musikalische Amateurliga, sondern ein professionelles Ensemble, das, rubato-gewitzt, der Bauernmusik seiner Heimat die Unschuld raubt. Liebenswert, zuweilen ein wenig sentimental, vermitteln die sechs Musiker und Musikerinnen auf sympathische Art zugleich das Image von Revoluzzern und Bewahrern des Altergebrachten. Mit Folk-Musik und Tänzen aus Transsilvanien und dem Gebiet der Moldau hielt das spurstarke Team beim Podium Schalom das Publikum in Atem.

Vom ersten Takt an geht es bei Zengő zu wie in einem umgestürzten Bienenstock. Die Geiger schrammeln sich der Bogen ab, der Mann am Dudelsack verpaßt den Liedern eine hintergrundartige, durchlaufende Unruhe, und die Sängerin, einfühlsam und krisenfest flötenbegleitet, übt sich in der heiklen Mimikry eines näselnden Sprechgesangs. Durch raffiniertes Finger-Picking treibt der Baßist mit Daumen und Zeigefinger an den Saiten den dumpfen Rhythmus über die Schwellen der täglichen Traurigkeit. Die anderen ziehen, zupfen und zärteln Melodien, bei denen sich nicht von ungefähr Landschaftsimpressionen von Bergen, Flüssen und Pußta-Weite einstellen. Verwehte Melodien und geheimnisvolle Lyrik verdichten sich zu Balladen, in denen Melancholie und Frohsinn gute Nachbarn werden.

Dann wieder macht Zengő Punk aus Tschardasch-Rhythmen und schickt einen artistischen Hochgeschwindigkeits-Tänzer vor, der keinen Zweifel daran läßt, daß die wilden Tage noch lange nicht vorbei sind. Gemeinsam ist Zengő das Verdienst, sich von schmalziger Pußta-Romantik gelöst und ihre Musik wieder zu echter Volksmusik erhoben zu haben. Und so wurde auch ihr Norderstedter Auftritt zum fulminanten Ritt durch ein schier unerschöpfliches Repertoire.

 Hamburger Abendblatt
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Sie haben die Schulen der verschiedenen selbstbewußten Pflege der Folk–Musik absolviert, sie lassen auf vollkommene Weise die Stimme Transsylvaniens und der Moldau ertönen. Sie fühlen und erleben die eigenartigen Stilnuancen Transdanubiens. Ihre Schallplatte hebt sich von den anderen Tanzhaus- und Lebenden-Folk-Musikplatten durch ihre Qualität, künstlerische Authentizität und ihres methodischen Programmaufbaus ab.

Imre Olsvai – Akademie der Wissenschaften
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Sechs Ungarn brachten die Drostei zum Beben

Pinneberg (tom). So etwas hat das altehrwürdige Haus bisher wohl selten erlebt: In der Drostei wackelten die Wände, klirrten die Scheiben und bebte der Holzboden. Schuld daran war keine steife Nordostbrise, sondern die ungarische Folk-Gruppe „Zengő” und der Begeisterungssturm, den sie bei ihrem Publikum entfachte.

Das sechsköpfige Ensemble präsentierte ein Musik und Tanzprogramm, das von leisen Liebesliedern über stürmische Hirtentänze bis hin zu wilden Sprung-Arrangements reicht. Ebenfalls im Repertoire: Tanz-Suiten aus der Renaissance, deren klarer Vokalaufbau bereits vor 3000 Jahren bei Bauern aus Siebenbürgen Anklang fand.

Doch auch ohne temperamentvolle und laute Rhythmen verstand es „Zengő” die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Obwohl diese kaum ein Wort des ungarischen Textes verstanden haben durften, lauschten sie atemlos dem A-cappella-Vortrag von Csilla Freppán – fasziniert von der Kraft und Ausdrucksstarke ihrer Stimme.

Einen anderen Schwerpunkt der Gruppe bildete der Volkstanz. Wer dabei an klobige Bauernreigen denkt, hat Márton Kovács noch nicht bei seinem „Tanz ohne Musik” erlebt. Ohne Musik bedeutet allerdings nur ohne instrumentelle Begleitung. Denn die Musik zum Tanz „spielt” Márton: durch Fingerschnippen, Klatschen, leise und laute Schritte, stampfen – mal accelerando, dann wieder rètardando – ersetzt er mit seinem Körper buchstäblich ein Orchester.

Nach dieser tanz-artistischen Einlage jubelten die meist ältern Zuschauer mindestens so frenetisch wie 14 jährige Teenies bei einem „Ace of Base” – Konzert.

Den ganzen Abend über kam kaum ein Fuß der Zuhörer zur Ruhe – alle wippten und stampften im animierenden Rhythmus der Musik mit. Deshalb reagierte das Publikum beinahe dankbar auf eine Besonderheit im Programm von „Zengő”: den Schluß des Konzertes mit einem gemein-samen Tanz nach einfachen Schritten eines ungarischen Volkstanzes. Da entludt sich der aufgestaute Bewegungs-drang in sicht- und hörbarer Fröhlichkeit und Lebenslust.

PT – 3.5.94
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Das Ensemble hat die Folk-Musik von Transdanubien vertieft studiert und hat die Somogyer Spring- und Tschardasch Tanzmusik mit großem Einfühlungs-vermögen zusammengestellt. ..Diese uralte Musik, die in ihrer Rohheit und Festigkeit sehr anziehend ist, wird mit Überzeugender, eigenartiger Kraft durch Zengő gespielt.

Bertalan Andrásfalvy – Kultusminister 1991-93
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Das wirklich Besondere an Ihren Konzerten, die immer entsprechend dem ungarischen Temperament unglaublich dynamisch und voller Drive ablaufen, ist die Verknüpfung ihrer Musik mit der optischen Umsetzung der entsprechenden Tänze. Wer allerdings schwerfällige Bauerntänze erwartet, sieht sich angenehm enttäuscht. Der Tänzer der Gruppe setzt die Rhythmen geradezu artistisch in Bewegung um und zeigt wohl jeder Volkstanzgruppe hierzulande ihre natürlichen Grenzen auf. Diese werden allerdings im zweiten Teil des Konzerts berücksichtigt, wenn nach Art eines Workshops den tanzwütigen Zuhörern-Zuschauern leicht erlernbare Grundschritte ungarischer Tänze locker flockig nahegebracht werden.

Gebhard Kleiner – Würzburg
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Die Gruppe „Zengő” im Galeriehaus:

Archaische Lebensfreude

HOF. – Sie kamen aus dem winterlichen Ungarn über eisige, verschneite Straßen nach Hof. So frostig die Temperaturen, so feurig die Musik, mit der „Zengő” dem Galeriehaus-Publikum einheizte: Die sechs Musiker, die zur Spitze der europäischen Folk-Gruppen zählen, haben sich der archaischen ungarischen Bauernmusik verschieben. Bei aller Tradition, die Jahrhunderte zurück und bis in den asiatischen Raum hinein reicht, haftet dieser Musik nichts Museumsmäßiges an. Voller Wärme und Leben steckt sie, kommt einmal wild und kraftvoll, dann wieder lyrisch, fast streng.

Aus Siebenbürgen, Südwestungarn und Moldawien, Lieder und Tänze, erzählt Lajos Bergics, und er stellt auch die Instrumente vor: neben Geige, Bratsche und Baß gibt es da noch den Dudelsack, die Drehleier, Hirtenflöte und Schlaggardon, ein Saiteninstrument, das mit einem Stock Geschlagen und traditionell von einer Frau gespielt wird. Spezielle Instrumente sind auch die ungarische Zither, die Kobsa, eine Art Laute, sowie ein mit Saiten bespannter Steg mit Schalltrichter, den vor allem die Zigeuner spielen.

Wenn der Tänzer die Fiedel zur Seite legt, zum Hirtenstab greift und – auf engstem Raum – einen temperamentvollen, artistischen Tanz der Atem. Und wenn die Sängerin mit eigenartiger, kräftiger Stimme zu singen beginnt, fühlt man sich in eine andere, eine ursprüngliche Welt versetzt, wo Liebe, Wachsen und Tod im Mittelpunkt des Seins stehen. Lyrik verdichtet sic, lädt sich auf, wenn dann der Baß, die Geigen und die Bratsche einsetzen, wenn Gyula Husi in die Saiten der Zither greift.

 In ihrer Heimatstadt Pécs haben die Ungarn seit 20 Jahren ein Tanzhaus, in dem junge Leute die alten Tänze lernen. Einen Schnellkurs in ungarischer Tanzfolklore bietet „Zengő” den Galeriehaus-Besuchern zum Abschluß des Konzerts an: Stühle und Tische werden zur Seite gerückt, der Tänzer macht einige Schritte vor, und schon ist alles in Bewegung. Wenn auch den Schritten und Bewegungen die Leichtigkeit noch abgeht – ein wenig Feuer nimmt man mit auf den Heimweg; es wärmt, über die Nacht hinaus.

Frankenpost 8,3,93   Lisbeth Kaupenjohann
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Aus dem Gotteshaus wurde ein Tanzhaus

Ungarisches Ensemble Zengö eröffnete „Musik in alten Dorfkirchen” in Kirchär – Folklore pur

   Von Hans-Peter Metternich

KIRCHÄR. In der Kirche von Kirchär war am Sonntagnachmittag „der Teufel los”. Dafür sorgte das Ensemble „Zengö”, das die Reihe „Musik in alten Dorfkirchen” der Kleinkunstbühne Mons Tabor auf mitreißende Art eröffnete. Mit der Verpflichtung dieses ungarischen Sextetts hatten die Veranstalter einen folkloristischen Volltreffer gelandet.

„Das war ja Weltklasse, und so was hier in dem kleinen Kirchär.” Diese Begeisterung einer Zuhörerin mögen sicher auch viele andere Besucher geteilt haben, die sich von einem glänzend aufgelegten Ensemble mitreißen ließen. Hier wurde ungarischer Bauernmusik auf exzellente Weise vorgestellt.

Dabei vermischte sich die Musik der archaischen ungarischen Folklore mit den eigenartigen Melodien der asiatischen Urkultur und den europäischen Harmonien. Eine Harmonie, an die sich das deutsche Ohr erst gewöhnen muss. Doch das Insider-Publikum in Kirchär hatte damit keine Probleme. Es genoss sichtlich die Musik, die ins Blut ging. Da blieb kein Fuß ruhig stehen, da wiegte sich jeder in Takt mit, wenn die fünf Musiker und die sympathische Sängerin Agnes mit dem typischen osteuropäischen Timbre in der Stimme loslegten. Auch die Instrumente waren landestypisch und zum Teil selbst gebaut.

Die Interpreten intonierten mit der Violine, der dreiseitigen Bratsche und Bassgeige, der Bauernklarinette und –laute, der ungarischen Zither und dem eigentümlichen Schlagcello beste Folkmusik aus Ungarn, Siebenbürgen und der Moldau. Der Dudelsack, der vor kurzem noch als schwarze Ziege durch Ungarn lief, pfiff rasante Melodien, die der Hochgeschwindigkeitstänzer Janos in berauschende Tänze umsetzte.

Jeder Vortrag wurde mit nicht enden wollendem Beifall belohnt. Während des konzertanten Programmteiles war der Einfluss der Rhythmen und Tanzeinlagen auf die Zuschauer so stark, dass diese sich bewusst oder unbewusst nach Mittanzen sehnten. Auf diese Reaktionen im Publikum haben sich die Interpreten in Ihrem Programmablauf offenbar eingestellt, denn sie luden auch in Kirchär ihre Gäste ins sogenannte „Tanzhaus” ein, wo der Bewegungsdrang unter der Anleitung des Tänzers ausgelebt werden durfte.

WZ 9.5.00
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